Gedicht von Matthias Claudius

Gedich­te sind eine her­vor­ra­gen­de Art und Wei­se, All­täg­li­ches neu zu inter­pre­tie­ren und auf den Punkt zu brin­gen. Aus aktu­el­lem Anlass möch­te ich gern ein Gedicht von Mat­thi­as Clau­di­us, einem deut­schen Dich­ter und Jour­na­lis­ten aus dem 18. Jahr­hun­dert, vor­stel­len. Sei­ne Wor­te spre­chen mir sehr aus dem Her­zen.

Der Bauer, nach geendigtem Prozeß

Gott­lob, daß ich ein Bau­er bin;
Und nicht ein Advo­kat,
Der alle Tage sei­nen Sinn
Auf Zank und Strei­ten hat.

Und wenn er noch so ehr­lich ist,
Wie sie nicht alle sind;
Fahr ich doch lie­ber mei­nen Mist
In Regen und in Wind.

Denn davon wächst die Saat her­für,
Ohn Hül­fe des Gerichts;
Aus nichts wird etwas denn bei mir,
Bei ihm aus etwas nichts.

Gott­lob, daß ich ein Bau­er bin;
Und nicht ein Advo­kat!
Und fahr ich wie­der zu ihm hin;
So bre­che mir das Rad!